Otto Zitko – In Times Like These

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Einladung

CRONE BERLIN, Fasanenstraße 29, 10719 Berlin

ERÖFFUNG
Freitag, 11. September 2020, 16.00 bis 20.00 Uhr

DAUER DER AUSSTELLUNG
12. September bis 10. Oktober 2020

ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag bis Samstag, 12.00 bis 18.00 Uhr

Die Galerie CRONE lädt im Rahmen des diesjährigen Gallery Weekends zur Eröffnung der ersten Einzelausstellung von Otto Zitko in ihren Berliner Galerieräumen. Unter dem Titel In Times Like These wird eine Reihe neuer, bisher noch nicht gezeigter Arbeiten auf Aluminium präsentiert, die mit ihrem expressiven Gestus unter Beweis stellen, dass ein Künstler mit eindrucksvollen Werken immer anwesend ist - auch in Zeiten von Reise- und Kontaktbeschränkungen, von erforderlichem Rückzug und struktureller Absenz.

Otto Zitko erlangte vor allem durch seine in situ geschaffenen, monumentalen Raumzeichnungen internationale Bekanntheit. Er legte bereits in den 80er Jahren den Pinsel beiseite und entwickelte seine Formensprache stattdessen aus der Linie. Mit Ölstift, Kohle oder Malerrolle trägt er sie auf Aluminiumtafeln, Papier und Karton auf oder führt sie in den Raum fort. Sie windet sich in unablässigen Bögen und entspinnt ein Labyrinth, das die Betrachter*innen in diffuse Tiefen führt. Immer wieder tauchen Gesichter oder andere Motive aus dem Geflecht auf, wecken vielfältige Assoziationen und brechen so mit der puren Abstraktion.

Die zu Beginn noch filigranen Linien entwickelten sich in den letzten Jahren zu immer breiteren Farbbahnen und undurchdringlichen Flächen. Die formalen und symbolischen Qualitäten der Farben, ihre inhärente Strahlkraft und Lichtwirkung rücken nun stärker ins Zentrum der Betrachtung. Für die Ausstellung In Times Like These schafft Zitko ein orchestriertes Farberlebnis. Leuchtendes Gelb, intensives Orange und kühles Nachtblau überziehen die strahlend weißen Aluminiumtafeln. Auch silberne Markierungen tauchen immer wieder auf und reflektieren nicht nur das von außen kommende Licht, sondern auch die Farben um sie herum. Dabei bleibt der Untergrund meist sichtbar und wird so selbst zum Gestaltungsmittel. Zum ersten Mal arbeitet Zitko nun auch mit weißen Farbmarkierungen und experimentiert mit dem Spannungsverhältnis zum ebenfalls weißen Grund. Trotz der stärkeren Verdichtung der Linien bleibt ihre gestische Qualität und der performative Akt des Entstehungsprozesses sichtbar. Die Farbbahnen schreiben sich unmittelbar auf dem Bildgrund ein – spontan und ohne Korrekturen. Die Körperlichkeit des Künstlers wird im Geflecht der Linien gespeichert und sichtbar gemacht. Zitkos Arbeiten werden so zu einem Spiegel äußerer und innerer Bewegungen, zu einem Abbild der Künstlerpersönlichkeit als spürendes und wahrnehmendes Individuum. Als Metaphern einer reflektierten Subjektwelt thematisieren sie existentielle und zugleich persönliche Fragen. Ähnlich einem Seismographen zeichnen sie die körperliche und mentale Verfasstheit des Künstlers auf und geben Stimmungen und Beobachtungen direkt wieder. Sie werden so zu einem Speicher der vergangenen Wochen – und wie Zitko sie erlebt, gespürt und wahrgenommen hat.

Dafür steht auch das Selbstporträt, das die Anwesenheit des Künstlers zusätzlich sichtbar werden lässt – wobei sich die Frage aufdrängt, ob das mehr durch das motivische Element des Gesichts oder die Gesten des Strichs hervorgerufen wird. Im Jahr 2000 begonnen hat Zitko das Porträt nun, 20 Jahre später, aufgegriffen und vollendet. Das Werk verweist mit seinen feinen, schwarzen Spuren auf die Kunstproduktion der vergangenen Jahrzehnte und wird so zu einer inhaltlichen und stilistischen Klammer. Die mit Ölstift gezeichneten Linien ziehen unablässig ihre Kreise und gebären in ihrem Inneren ein Gesicht mit weit geöffneten Augen. Das Selbstporträt zeigt den Künstler hinter einer Art Fenster, das ihn von den Betrachter*innen distanziert. Es steht emblematisch für die Umbrüche der vergangenen Wochen, die mit Zurückgezogenheit und Isolation einhergingen. Zugleich steht es aber auch für das kreative Potential dieser Distanz. Es dient als Sinnbild für die Arbeitsweise des Künstlers, der das Geschehen in der Welt als außenstehender Beobachter wahrnimmt, es auf unmittelbare Art und Weise in seine Bildsprache übersetzt und so für immer bewahrt.